Wenn der Wind weht…

Am Montag, 23. Juli 2018 ist es auf Ikaria um die 40 Grad heiß, kein Lüftchen regt sich, doch ab dem Abend ist Sturm mit Windstärken 7 – 9 angekündigt.

Wir gehen an diesem Nachmittag schwimmen, der Himmel hängt bleiern über uns, die Sonne ist nicht zu sehen und alle freuen sich über die Abkühlung im Meer – Familien mit Kind & Kegel, Touristen, Teenager. Stunden später, wir sind schon längst wieder zuhause, weht es kräftig, als es auf einmal nach Rauch riecht.  Alarmiert suchen wir den Horizont ab, doch es ist nichts zu sehen. An diesem Abend sehen & hören wir keine Nachrichten, denn ich reise am nächsten Tag zurück nach Deutschland und es sind noch 1001 Dinge zu tun und Abschied von Kater, Mann und Haus zu nehmen.

So erfahre ich von der Feuer-Tragödie, die sich im Osten von Athen abgespielt hat, erst am nächsten Tag auf dem Weg zum Flughafen und bin total geflasht. Der bleierne Himmel vom gestrigen Nachmittag, das war kein Vorbote des kommenden Sturmes, da brannte es dort schon lichterloh und die Menschen sind, wenn möglich,  ins Meer geflohen, um sich vor dem Feuer zu retten. Der Rauch, der abends zu riechen war, hatte den Weg über 400 km weit zu uns auf die Insel gefunden…

Die kleine Propeller Maschine Richtung Athen startet und ich bin umgeben von einer lustigen Reisegruppe, die sich über das leckere Essen und Urlaubsabenteuer unterhalten und komme mir vor wie in einer Parallelwelt. Der Himmel hängt voller dicker Wolken und je näher wir Athen kommen, desto dunstiger und grauer wird die Himmelsatmosphäre. Gespenstisch.

Am Flughafen sehe ich am Zeitungskiosk das Inferno das erste Mal auf den Titelblättern der Tagespresse im Bild und ich kann nicht glauben, was ich da sehe, so schrecklich ist das. Mit einem Polizisten komme ich bei einer Zigarettenpause vor dem Flughafen ins Gespräch und auf meine Frage, ob es noch brennt, antwortet er mit Tränen in den Augen „Das Feuer ist gelöscht, jetzt suchen wir die Opfer“

Wenn im Sommer in Griechenland der Wind weht, gibt es oft Waldbrände. Das ist nichts Neues und über die Ursachen wird viel spekuliert. Dieses Mal jedoch brachen mehrere Brände mitten in dicht besiedelten Gebieten fast gleichzeitig aus, als der Wind zu wehen begann. Die Menschen hatten keine Chance.

Als mein Flugzeug Richtung Frankfurt vom Flughafen Athen abhebt sind meine Gedanken bei den Menschen, über die wir beim Start hinweg fliegen. Den Überlebenden genauso wie den Toten, die noch unentdeckt in ihren Häusern liegen. Und wieder einmal wird mir bewusst, wie schnell unser Leben zu Ende sein kann. Wäre heute ein guter Tag zum Sterben? Diese Frage kenne ich aus Seminaren, an denen ich teilgenommen habe sehr gut: Habe ich alles getan, was ich in meinem Leben vorhatte? Wenn ich heute sterben würde, müsste ich mir Vorwürfe machen, dass noch zu viel ungelebt und unerledigt ist in meinem Leben? Oder bin ich jetzt, ja, genau jetzt, rundherum zufrieden? Sind alle Visionen gelebt, alle Konflikte geklärt und wissen alle, die meinem Herzen nahe sind, dass ich sie lieb habe? Ist es gut so, wie es genau jetzt ist? Dann wäre heute ein guter Tag zum Sterben. Bevor der Alltag mich nach der Landung wieder hat, so beschließe ich für mich, mache ich mich daran, meine Liste der noch unerledigten Dinge, die mir am Herzen liegen, nochmal genau unter die Lupe zu nehmen.

Das Flugzeug schwebt über den Alpen, als ich meinen Frieden wiederfinde. Das Leben geht weiter. Manchmal ist es traurig, doch das ist ok, denn das gehört dazu.

Und wie sieht es bei euch aus? Wäre heute ein guter Tag zum Sterben? Falls nicht kann ich eine Top10 Liste der noch unerledigten Dinge sehr empfehlen!

Herzliche Grüße

Barbara

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