rent a friend?

Der Sommer war sonnig & heiß und so manches stagnierte in dieser Zeit, denn bei der Hitze sind viele Menschen nicht ganz so fix wie üblich . Ich jedenfalls nicht und deshalb kommt dieser Blog mit Verspätung, doch gleichzeitig war diese Sommerzeit für mich auch eine super Gelegenheit, die ein oder andere Idee durch den Kopf wandern zu lassen, während ich irgendwo im Schatten darauf wartete, dass es wieder kühler wird.

Da gab es zum Beispiel den Vorschlag einer Bekannten „Warum bietest du als Coach nicht auch das Format „rent a friend“ an? In den USA gibt es das und liegt voll im Trend der Zeit!“ Naja, in den USA dachte ich mir so, was machen die denn nicht? Mich mutete das erstmal eher unmoralisch an. Soll das heißen, dass wir keine Freunde mehr haben, mit denen wir reden können? Wir Freunde anmieten, wie z.B. eine Begleitung für einen Abend? Oder mehr?

Im Winter hatte ich die Freude gehabt, für das MaaS Magazin (Themenband Nr. 8 Liebe) einen Artikel über die Liebe in der Antike schreiben zu dürfen. Damals beschäftigte ich mich mit Aristoteles´ „Filia“, der Freundschaft, die in der Antike als eine Art der Liebe galt. Aristoteles spricht von drei Arten der Freundschaft: da ist die echte Freundschaft, die nichts fragt und verlangt und eher selten anzutreffen ist. Dann gibt es die Freundschaft aus Vergnügen, in der man sich bei gemeinsamen Unternehmungen miteinander amüsiert und die Art der Freundschaft, aus der man Nutzen zieht. Alle drei Arten der Freundschaft, so Aristoteles, sind legitim, so lange für alle Beteiligten klar ist, um welche Art der Freundschaft es sich handelt. Also, nicht dass einer glaubt, es handle sich um eine echte Freundschaft und der andere von einer Freundschaft aus Vergnügen ausgeht, das würde nicht funktionieren.

Was würde denn wohl Aristoteles zu dem Modell „rent a friend“ sagen, überlegte ich mir? Wäre das eine Freundschaft, die auf Nützlichkeit basiert? Oder auf Vergnügen? Manche Menschen reden ja gerne zum Vergnügnen… Wäre es denn überhaupt eine Freundschaft? Vielleicht eine Freundschaft auf Zeit? Doch wenn einer den anderen bezahlt, geht das überhaupt?

So machte ich mir immer mal wieder meine Gedanken zu diesem Thema und wurde nicht wirklich einig damit. Dann las ich kürzlich in einem ganz anderen Buch den Satz „Manchmal ist es einfach nur wichtig, dass jemand da ist, der zuhört“.  Das war´s! Manchmal ist nämlich gerade niemand da, der zuhört!  Sei es, dass die beste Freundin gerade keine Zeit hat, man selbst irgendwo unterwegs ist, wo man niemanden kennt oder das Thema, das uns auf dem Herzen liegt, einen unserer Freunde betrifft, oder oder oder… beim genaueren Hinsehen scheint es doch einige gute Gründe für “rent a friend” zu geben.

Ich möchte dem oben zitierten Satz nämlich gerne noch hinzufügen, dass es manchmal nicht nur wichtig ist, dass jemand da ist, der zuhört, sondern ebenso wichtig ist, dass es jemand ist, den man gar nicht so gut kennt. Denn manchmal spricht es sich leichter mit Menschen, die wir nicht jeden Tag sehen,  zu denen wir einen gewissen Abstand haben und denen wir dennoch vertrauen können.

Zuhören kann ich als Coach ganz wunderbar. Auf Wunsch auch gerne gemeinsam Lösungsansätze überlegen und deren Umsetzung planen. Damit ist mein neues Coaching Angebot geboren: Rent a friend!

Ich bin gespannt, wie es ankommen wird. Und neugierig, was ihr dazu meint? Würdet ihr so etwas bei Bedarf in Anspruch nehmen oder käme euch das komisch vor, wie mir zu Anfang des Sommers?

Wie immer freue ich mich auf eure Rückmeldungen,

sonnige Grüße

Barbara