Crumpie Times….

So kurz vor Weihnachten ein „crumpie“ Blog schreiben? Tja, das habe ich mir auch überlegt, denn jetzt sollte doch die Zeit sein, in der wir alle fröhlich sind und uns auf das Fest, auf ein paar freie Tage und Zeit mit unseren Lieben freuen! Wenn ich mich so umschaue, kommen mir die letzten Tage jedoch der ein oder andere Zweifel …

Ich bin mit dem Fahrrad in die Stadt zum Weihnachtsmarkt unterwegs und werde an einer Ampel von einem Herrn besserwisserisch angeschnauzt, als ich beim Ausweichen einer Menschengruppe auf dem Radweg auf dem Fußgängerweg lande „Das ist ein GEHweg, kein FAHRweg!“, dabei habe ich ihn gar nicht behindert, ja, wie ist der denn drauf?

Wie sind wir alle drauf, wenn wir in der Fußgängerzone wild drauflos stürmen als ob es kein Morgen gäbe? Wehe denen, die da quer über die Straße zu einem Laden abbiegen wollen! Keine Chance, keiner guckt mehr, jeder schiebt und drängelt mit. Auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt geht´s ähnlich zu. Obwohl da das „power shopping“ für die Weihnachtstage noch nicht mal richtig begonnen hat, herrscht hier jetzt schon ein hektisches „first comes, first serves“, sowohl auf dem Parkplatz draußen wie drinnen zwischen den Regalen. Da kann man übrigens ganz wunderbar Menschen „erschrecken“, indem man ihnen an der Kasse spontan den Vortritt lässt oder sie einfach mal freundlich anlächelt – herrlich!

Klar, solche Situationen kennen wir alle und jetzt sind eben alle im Stress. Privat wollen wir alles für ein schönes Fest vorbereiten und gleichzeitig sollen im kleinen sowie großen Business noch die letzten Umsätze reinkommen. Müssen wir deshalb immer rücksichtsloser und unfreundlicher werden? Mich nervt das und an manchen Tagen merke ich, das ich davon Anflüge von „crumpieness“ bekomme ….

Als ich kürzlich eine alte Dame, die ich seit Jahren kenne, im Seniorenheim besuchte, da wurde ich jedoch so richtig „crumpie“…  Sie ist noch nicht lange dort und ich war neugierig, wie es dort so ist und wie sie mit der neuen Situation zurechtkommt. Was soll ich sagen? Die lebensfröhliche kommunikative Frau, die ich gekannt hatte, gibt es nicht mehr, daran ist natürlich auch ihre Krankheit schuld. Womöglich jedoch auch viele Medikamente und das Motto „immobile Patienten bringen weniger Gefahren mit sich“?  Die Mutlosigkeit, diese Tristesse, die im ganzen Hause spürbar war, unterbrochen an der ein oder anderen Stelle durch aufgesetzt wirkende Fröhlichkeit, die hat mich fertig gemacht. Und wütend. Das sind Menschen, die ein ganzes Leben lang gearbeitet haben, viele haben den Krieg noch als Kinder erlebt und viele sind Frauen, die ihr Leben stolz selbst in die Hand genommen hatten! Warum können wir, eine reiche Gesellschaft, ein Land, dem es so gut geht, unseren Senioren nicht die Würde lassen, die ihnen zusteht? Warum schaffen wir es trotz ständiger Diskussionen nicht, soviel Pflegepersonal zu haben, damit sich auch mal jemand dazu setzen kann, um eine Hand oder ein Schwätzchen zu halten? Warum wurden die Alten früher – und heute in anderen Gesellschaftsformen immer noch – für ihre Lebensweisheit geehrt und um Rat gefragt? Haben wir es denn nicht mehr nötig, von ihrem Erfahrungsschatz zu lernen? Früher oder später werden wir alle alt – wollen wir dann so leben?

Meine Bekannte hat sich übrigens mit keinem Wort beklagt, doch ihre Resignation war laut genug. Auch zählt besagtes Seniorenheim zu den guten Häusern in der Stadt, was ich mit meinem Blog nicht Frage stelle. Hier geht es um etwas ganz anderes – und das ist echt „crumpie“…

Nichts gegen Gold, Weihrauch und Myrrhe liebe Heilige Drei Könige! Wenn ihr dieses Jahr eure Geschenke einpackt, könnt ihr dann bitte auch eine Portion Würde dazu legen, etwas Rücksicht auf unsere Mit-Menschen und eine Prise Freundlichkeit im Alltag?!

In diesem Sinne – crumpie-freie „Happy Holidays“-Grüße!

Barbara

 

 

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