ent-Scheiden tut weh

Erst kürzlich habe ich irgendwo gehört, dass unser Gehirn täglich bis zu 20.000 Entscheidungen trifft, ist das nicht ganz unglaublich? Bei genauerer Überlegung vielleicht doch nicht sooo unglaublich, denn morgens geht´s ja schon  los… bleibe ich nach dem Weckerklingeln noch 5 Minuten im Bett liegen, welches Outfit passt zum Tag und nehme ich das Rad oder faul das Auto, um zur Arbeit zu fahren? Und so geht´s lustig weiter…

Zumindest ist das bei mir so, denn mit Entscheidungen tue ich mich ehrlich gesagt ein bissel schwer, weil ich mir am allerliebsten alle Optionen offenhalten würde, was natürlich nicht geht, schon klar. Doch wie geht es dann? Wir leben ja in einer Welt, in der unsere Möglichkeiten ins Unermessliche steigen! Unter wieviel Sorten Toastbrot, Waschmittel & co muss ich mich beispielsweise im Supermarkt entscheiden? Eine der 20.000 Entscheidungen, die unser Hirn täglich zu treffen hat, mal so ganz am Rande bemerkt…

Doch wir sprechen ja von den großen und wichtigen Entscheidungen.  Auf die innere Stimme hören ist eine Möglichkeit, doch wenn das Angebot zu vielfältig ist, streikt meine innere Stimme und schweigt. „Try & fail“ ist eine andere beliebte Variante, die ich mir bei der Auswahl von Toastbrot vorstellen kann, die mich jedoch bei der Entscheidung des täglichen Outfits schon nicht mehr wirklich überzeugt. Denn „fail“ kann bei der falschen Schuhwahl am Morgen schmerzhafte Blasen am Abend bedeuten, ist mir kürzlich passiert und muss nicht nochmal sein.

Gerne stellen wir uns bei größeren Entscheidungen selbst unter gehörigen Druck, denn da heißt es meistens „entweder oder!“ Warum denn nicht mal „und und“? Ja doch, das funktioniert wunderbar! Wir schreiben eine Liste mit allen relevanten Punkten für die Alternative A  und machen das Gleiche nochmal für Alternative B. Wenn wir das „oder“ durch das „und“ ersetzen, nehmen wir jede Menge Druck aus der Sache, lesen unsere Listen wesentlich gelassener durch und finden so viel leichter zu einer Entscheidung.

„10-10-10“ heißt eine weitere tolle Methode, die sich gut bei diversen Unzufriedenheiten im Leben und entsprechenden Veränderungswünschen anwenden lässt: wie würde es mir mit dieser Veränderung in 10 Minuten gehen? In 10 Monaten? In 10 Jahren?

Und dann gibt es Entscheidungen, die Zeit brauchen, um zu reifen. Als ich vor der für mich ganz unglaublichen Entscheidung  stand, ob ich meinen gut bezahlten Job aufgebe, um das zu machen, was ich wirklich tun will, da brauchte das ein ganzes halbes Jahr  dafür. Zusätzlich zu diversen „und/und“ Listen, Risikoanalysen, Beratungen und vielen Gesprächen. Unter anderem mit meiner Coach, die mich geduldig dabei begleitet hat, in meinem damaligen Gefühlswirrwarr zu der Entscheidung zu finden, die ich bis heute nicht bereut habe.

Warum Entscheidungen manchmal auch weh tun? Weil sie oft genug einen Abschied mit sich bringen und “ent-Scheiden” nun mal weh tut. Ein kleines Beispiel dafür ist unser kleiner Kater, der im Sommer auf Ikaria zu uns gefunden hat, sich umgehend zum Bleiben entschied und der ein ganz besonderer Kater ist. So besonders, dass ich ihn am Ende des Sommers mitnehmen wollte, anstatt ihn einem ungewissen Schicksal zu überlassen. Als ich nach langem Abwägen von pro & contra die Entscheidung traf, dass wir zusammen reisen, da stellte sich heraus, dass sich der Kater schon längst anders entschieden hatte. Er bekommt in geschlossenen Räumen nämlich Panik und wollte das freie Inselleben ganz offensichtlich nicht gegen das eingesperrte Leben eines Stadtkaters eintauschen. Wäre ich nicht so mit meiner eigenen Entscheidungsfindung beschäftigt gewesen, tja, dann hätte ich das wohl schon früher bemerkt… “ent-Scheiden” tut weh…

Die Moral der Entscheiedungs-Geschichte? Als bekennende Entscheidungs-Muffel bin ich sehr dankbar, dass ich nicht alle der 20.000 täglichen Entscheidungen meines Gehirns bewusst auf dem Radar habe, da würde ich ja total kirre werden! Und ich bin froh, dass ich dank einiger schlauer Entscheidungshilfen inzwischen die Entscheidungen, die es auf meinen Radar schaffen,  nicht nur schneller, sondern auch, na ich sag mal „nachhaltiger“ für mich treffen kann. Und wie geht’s euch so mit den kleinen und großen Entscheidungen in eurem Leben? Hat vielleicht schon mal jemand mitgezählt, ob es tatsächlich 20.000 Entscheidungen am Tag sind?

Herzliche Grüße
Barbara

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