I have a dream!

ALL-EIN-SEIN Nr. 2

„Wer sind diese Frauen?“ wurde ich im Februar nach dem Erscheinen des ersten ALL-EIN-SEIN Blogs öfters gefragt. „Erzähle doch ihre Geschichte!“. Das wäre sicher spannend, doch die „Fantastischen 4“ wollen anonym bleiben.

„Wer sind diese Frauen?“ frage ich dennoch bei Magdalena nach, als wir uns vor ein paar Tagen wiedersehen. Wir haben uns auf einen Kaffee verabredet, denn ich bin neugierig, wie es den Frauen in den vergangenen acht Wochen seit unserem „Kick-off Coaching“ ergangen ist und wie sich das Netzwerk Solidarität entwickelt. Magdalena schaut mich einen langen Moment nachdenklich an „Wir sind autarke Frauen, die alle einen Hintergrund in der aktiven Frauenbewegung haben!“ sagt sie dann stolz. „Was heißt das?“ hake ich neugierig nach. Mir wird wieder einmal bewusst, dass ich ein paar Jahre zu spät geboren wurde, um die erste große Frauenbewegung der 68er Generation live zu erleben. „Das heißt, dass wir alle feministisch waren. Eine von uns zu 100%, wir anderen nicht so extrem, doch aktiv waren wir alle dabei. Das hat uns geprägt und trägt uns auch heute noch.“ So ist das also. In diesen Worten ist eine Solidarität spürbar, die über Sympathie, persönliche Befindlichkeiten und verschiedene Lebenshintergründe hinweg lebt und wirkt. Ich rühre nachdenklich in meiner Kaffeetasse und wir schweigen für einen Moment.

Magdalena berichtet, was sich in den letzten Wochen so getan hat im Netzwerk. Eine der Frauen ist krank und die anderen unterstützen sie, so gut sie können. Sie kaufen ein, kochen und sind ganz selbstverständlich da, wenn Not an der Frau ist.  Auf Facebook hat Magdalena in den paar Wochen ein reges Netzwerk geschaffen, postet, vernetzt, regt Diskussionen an, trifft sich mit Frauen und wird im Mai andere Projekte besuchen – da tut sich was! Und wie sieht´s im täglichen Leben so aus? Sie seufzt. So viele offene Baustellen! Das schafft (KANN) sie nicht alles alleine und wünscht sich deshalb eine oder besser noch gleich zwei weitere Frauen, die mit ihr im Team die Orga-Topics bearbeiten, recherchieren, wo es Gelder und andere Unterstützung für das Projekt gibt usw. Mit denen sie sich austauschen, diskutieren, was auf den Weg bringen kann. „Das können gerne auch jüngere Frauen sein, warum denn nicht?  Und unbedingt anders als ich sollen sie sein, damit wir uns ergänzen!“

Immerhin, kürzlich hat sie schon mal den Kontakt zu einem „Immobilien-Hai“ im Viertel hergestellt. Passender Wohnraum für die 65plus Netzwerkfrauen, das ist ein wichtiges Thema. Denn wenn die Knie kaputt sind, ist eine Wohnung im 4. Stock ohne Aufzug eine Qual.  Und er ist nicht mal abgeneigt der „Immobilien-Hai“! „Grundversorgung?“ soll er gesagt haben „na, das ist doch prima, da wird wenigstens die Miete bezahlt! Da können wir drüber reden.“

„So positiv wie dein erster Blog wird es dieses Mal wohl nicht klingen“ meint Magdalena dann trotz der guten Neuigkeit resigniert. Doch auf einmal leuchtet ihr Gesicht auf, ganz aufrecht sitzt sie mir jetzt gegenüber „Wenn ich träume, weißt du, dann träume ich von einem Haus mit Wohnungen in verschiedenen Größen, wir haben ja nicht alle gleich viel Geld. Einen Balkon sollen sie aber alle haben! Und oben auf dem Dach eine große gemeinsame Terrasse! Und einen Aufzug sowieso.“ Sie spricht schneller „Ein Haus für autonome Frauen! Im Rentenalter. Doch nicht ausschließlich. Eine Not-Wohnung brauchen wir auch! Es gibt ja immer wieder Frauen, die kurzfristig eine Unterkunft brauchen. Und wenn ich groß träume…. Ja, wenn ich ganz groß träume, hach, dann haben wir im Erdgeschoß auch Platz für ein Café für Frauen und einen Seminarraum! Ein “Frauen”-Haus im Stil der 70er Jahre! Für 65plus …und Nachwuchsfeminismus!“ Jetzt strahlt sie und ich strahle zurück, so ansteckend ist diese gelebte Frauenpower. In diesem Moment habe ich keinerlei Zweifel daran, dass Magdalena ihren Traum in die Wirklichkeit träumen wird.

I have a dream! So viele berühmte Geschichten haben damit begonnen…. Hach, das bleibt spannend!

 

Herzliche Grüße
Barbara

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