Sex, Crime & Rock´n roll!

EMOTIONS heißt die aktuelle Sonderausstellung im Akropolis Museum Athen, in der 129 Geschichten über die Gefühlswelt in der Antike erzählt werden. Märchen, Mythen, Dramen – und Alltag.

Ja nun, so denkt man vielleicht, das ist doch nicht neu? Grabsteine aus Marmor, auf denen die Lebenden von den Toten Abschied nehmen, die berühmten roten Vasen mit den erotischen Motiven usw.  – das hat man doch schon zumindest auf Bildern irgendwo mal gesehen… was soll daran denn so spannend sein?

Doch diese Ausstellung kann mehr! Da sehen wir neben den bekannten Klassikern auch Szenen aus dem Alltagsleben, die die gleichen Gefühle zeigen, die wir heute haben: Schmerzen, wenn wir krank sind, Ängste aller Art, Wutausbrüche und die Freude am Leben, sowie der Wunsch, dass es uns und unseren Lieben gut geht. Eine kleine Marmorplatte, auf der zwei wunderhübsch gemeißelte Ohren zu sehen sind: eine Opfergabe für einen Gott, der ein Gebet erhört hat, hat mich besonders berührt. Und wer hätte gedacht, dass die Magie in der Antike blühte?  Allerlei Figuren, die z.B. an Händen & Füßen gefesselt sind, um die Macht des Feindes zu binden sind zu bestaunen. Daraus resultierend, natürlich auch die entsprechenden Schutzsymbole.

Es gibt Amphoren zu sehen, auf der ganze Heldensagen abgebildet sind, zur besseren Orientierung mit Punktelinien versehen – die Comics der Antike? Und es gibt Dramen aller Art! Der Held schlägt im Kampf der Königin der Amazonen den Kopf ab und verliebt sich im selben Moment unsterblich in sie, dann natürlich Medea, die ihrem Liebsten nicht verzeihen konnte, dass er sie verlassen hat und seine neue Frau noch bei der Hochzeit vergiftete….  da denkt man unwillkürlich an unsere heutigen TV soap operas … Achilles und Ajax, die mitten im Trojanischen Krieg eine Pause einlegen und bei einem Brettspiel die Würfel werfen, den Speer noch in der Hand… Partys in vollem Schwung, die auch heute stattfinden könnten… und natürlich Eros! Er scheint all-anwesend zu sein, überall sieht man seine Flügel flattern, Pfeile schwirren und beim Liebesakt von Zeus mit einer Nymphe hilft er sogar tatkräftig nach, da Zeus in seiner Gestalt als Schwan nicht so recht ran kommt…

Kein Detail fehlt in den kunstvollen Malereien auf den Vasen, die Marmorstatuen sind so fein gemeißelt, dass sie zu leben scheinen und ebenso fein sind manchmal die Unterscheidungen der Gefühle: da gibt es z.B. die Statue des Pothos, der die Begierde nach Dingen verkörpert, die unerreichbar sind und sein Bruder Himeros, dessen Statue leider verschollen ist, der den Part der Begierde nach Dingen in unserem Umfeld übernimmt. Wow!

Es „menschelt“  sehr in dieser Ausstellung, denn die Menschen vor 2000 Jahren scheinen gar nicht so viel anders gelebt zu haben, als wir heute! Zwischendurch habe ich immer mal wieder andere Besucher/innen der Ausstellung beobachtet: interessiertes Studieren der Objekte, andächtiges Staunen vor den großen Statuen und immer wieder ein Lachen und aufgeregtes Tuscheln, wenn eine Alltagssituation wiedererkannt wurde. Zu laut durfte man allerdings nicht tuscheln, sonst wurde man von den Museumsangestellten zur Ruhe ermahnt… auch mal interessant, bei einer Ausstellung, bei der es um Gefühle geht… Vielleicht haben sie damals in der Antike ihre Gefühle doch offener & freier ausgelebt, als wir uns das heute getrauen?

An der Kasse vom Museumsshop steht in der Schlange hinter mir eine Mutter mit ihrer kleinen Tochter, die sich lauthals über einen gelben Bleistift freut, der sich verbiegen lässt, so was hat sie ja noch nie gesehen! Der Mutter ist die laute Freude sichtlich etwas peinlich, ich murmele beim Bezahlen meiner Postkarten „da sind sie, die emotions…“  vor mich hin und die Kassierin erwidert mit einem traurigen Lächeln „ja, Kinder können ihre Gefühle noch zeigen“. Die Mutter bedankt sich bei mir, weil ich mich mit ihrer Tochter gefreut habe. Im Weggehen frage ich mich, warum uns heute denn so oft der Mut fehlt, zu unseren Gefühlen zu stehen? Was meint ihr?

Bis zum nächsten Blog wünsche ich euch eine gefühlvolle Zeit!

Barbara

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