Sei doch mal schrullig!

Da fragt mein Mann mich doch vor ein paar Tagen während einer unserer Debatten über ein ganz nebensächliches Thema tatsächlich ganz freundlich „Bist du heute schrullig?“ Wie bitte? Schrullig? Ich??  Echt jetzt… schrullig! Das klingt wie eine rostige Tür mit Schluckauf,  ziemlich altertümlich und überhaupt…woher kommt dieses komische Wort? Bei Wikipedia werde ich mal wieder fündig „wunderlich, seltsam, eigensinnig, verrückte Einfälle haben“ steht da. Das klingt eigentlich ja ganz interessant und das Thema will mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf gehen…

Aber warum kommt der Begriff denn meistens so negativ rüber?  Verrückte Einfälle haben klingt doch prima! Doch auch ich mag mich damit nicht so recht identifizieren, obwohl ich ganz bestimmt über die eine oder andere Schrulligkeit verfüge, wie alle, die mich kennen, sicherlich gerne bestätigen werden. Warum mag ich meine schrulligen Anteile nicht? Weil ich damit aus dem Raster fallen würde?

Als ich zum Beispiel meine berufliche Selbstständigkeit als Coach geplant und umgesetzt habe, da wollte ich natürlich alles richtigmachen! Ich ging zur Existenzberatung, schaute mir an, was andere so machen, investierte in eine schöne Homepage und holte Marketing Tipps & Tricks ein. Inzwischen frage ich mich jedoch manchmal, ob das nicht alles zu „glatt“ geworden ist? Wodurch unterscheide ich mich nun von den vielen anderen Coaches, von denen der Markt nur so wimmelt? Eine Portion Schrulligkeit als Alleinstellungsmerkmal? Das ist unbedingt eine Überlegung wert!

Der Drang nach Individualität und Selbstverwirklichung nimmt zu, wie der Presse immer wieder zu entnehmen ist. Wohl wahr und gut so! Gleichzeitig werden wir jedoch von einer Fülle an Büchern und Seminar-Angeboten zu Selbstverwirklichungsthemen, mehr Glück und Zufriedenheit überschwemmt. Wie passt das denn zusammen? Fehlt uns da möglicherweise eine Prise Kühnheit, um an der einen oder anderen Stelle auch mal aus dem gesellschaftlichen Raster auszubrechen? Was würde das für Folgen haben? Nach außen sichtbar möglicherweise gar keine so besonders großen, denn wir schätzen unsere Wirkung auf andere selbst oft ganz falsch ein. Doch die Nebenwirkungen, den Mut zu haben, die eigene Schrulligkeit auch mal bewusst auszuleben, führen belegbar zu mehr Zufriedenheit und Selbstverwirklichung. Außerdem benötigt es ziemlich viel Energie, um unsere Schattenseiten gesellschaftstauglich zu verpacken, warum sollten wir sie dann nicht hier & da auch mal ganz bewusst einsetzen und Spaß daran haben?

Zu Neujahr haben wir bestimmt alle die berühmten guten Vorsätze für 2018 gefasst! Ich füge meiner Liste jetzt noch die Schrulligkeit hinzu! Zu Beginn erst mal in homöopathischer Dosierung, doch ich weiß jetzt schon, dass wir viel Freude miteinander haben werden, meine Schrulligkeit und ich.

Euch wünsche ich ebenso viel Spaß mit euren Projekten für 2018! Sollte eine Schrulligkeit dabei sein, dann lasst es mich wissen!

Herzliche Grüße

Barbara

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