Leichtes Gepäck

Der Begriff „Downsizing“, auf Deutsch „gesund schrumpfen“, auch mal wieder so ein Begriff!, kreuzte dieser Tage beim Lesen der Sommerlektüre meinen Weg. Bei Wikipedia finde ich die ursprüngliche technische Erklärung, die irgendetwas mit Hub-Räumen zu tun hat, doch spätestens seit “Silbermond´s” Album „Leichtes Gepäck“, wissen wir ja alle, dass es darum geht, den überflüssigen Plunder in unserem Leben loszuwerden, denn mit leichtem Gepäck reist es sich tatsächlich besser!

Dazu fällt mir sofort unser Nachbar hier auf der Insel ein! Nennen wir ihn Dentrakis, das kommt von dem griechischen Wort für Baum und passt sehr gut zu ihm, denn Bäume sind seine große Leidenschaft, weswegen er das das ganze Land um sein Haus herum mit Bäumen aller Art bepflanzt hat.

Dentrakis lebt in einem alten abgelegenen ikarischen Haus in wunderschöner Lage, Strom hat er keinen, nur einige Solarlampions von IKEA, mit denen er Haus & Hof beleuchtet. Gekocht wird mit Gas und im Winter auf dem Kamin. Internet und Mobiltelefon? Damit will er nichts zu tun haben! Eine Uhr gibt es im ganzen Haus nicht, sein Tagesablauf richtet sich nach der Sonne, was im Sommer auch ganz gut funktioniert und genauere Zeitangaben braucht und will er als geborener Ikarer auch gar nicht (wir erinnern uns: die Zeit auf Ikaria ist ein Kontinuum und dazu da, gelebt zu werden, anstatt immer mehr davon zu gewinnen).

Er ist Selbstversorger und lebt von dem, was das Land so hergibt: Früchte von den Bäumen, Wildpflanzen und im Sommer vom Gemüsegarten. Er kennt alle Pflanzen und Kräuter, die hier auf der Insel wachsen – ein enormes Wissen! Inzwischen gibt es auch eine Ziege, Hühner und Schweine, die alle frei herumlaufen und ein glückliches Leben führen dürfen.

Wer nun meint, Dentrakis sei etwa ein Herr in höherem Alter, der so den Ruhestand verbringt, der täuscht sich! Er ist auf der Insel geboren und aufgewachsen und hat sich irgendwann bewusst für diesen Lebensstil entschieden.  Auf Reisen ist er gegangen, bis in den Himalaya, doch immer wieder zurückgekehrt.

Seine zweite Leidenschaft ist die Musik und die Violine seine große Liebe. Und so finden sich im Sommer auch immer Menschen aus der ganzen Welt bei ihm ein, die für einige Zeit bleiben, für Unterkunft & co beim Bewässern der vielen Bäume helfen und gemeinsam Abende & Nächte lang musizieren.

Das klingt sehr idyllisch, nicht wahr? Ein griechischer Inseltraum!

Könntet ihr so leben? Ich habe mir die Frage öfters gestellt und weiß, dass ich es nicht könnte, obwohl ich selten Menschen begegnet bin, die so in ihrer Mitte ruhen wie Dentrakis.

Doch auch ich habe auf Ikaria gelernt, nicht alles als selbstverständlich gegeben zu nehmen: die ersten Jahre wurde unser Wasser in Kanistern mit dem Muli gebracht, weil wir noch keine eigene Wasserleitung hatten. Und auch als diese dann von den Behörden frei gegeben und installiert war, gab es immer mal wieder Unterbrechungen und so ist es für mich gar nicht selbstverständlich, dass Wasser kommt, wenn ich den Hahn aufdrehe.  Das Gleiche gilt für den Strom: anfangs mussten die Petroleum Lampen gefüllt & geputzt sein, wenn wir abends Licht haben wollten. Klar war das romantisch und dennoch bin ich froh, dass es heute ein Solarpanel & Windrad auf dem Dach gibt! Und auch die funktionieren nur, wenn die Sonne scheint und der Wind weht, was im Winter manchmal eng wird, so dass wir dann überlegen, was Prio hat: das Licht, der Kühlschrank, das Kindle laden, um den Krimi weiterzulesen…? So manches Mal saßen wir  auch wieder bei Kerzenlicht vor dem Kamin, wenn die Technik nicht so wollte wie sie sollte und warteten auf Afandos, unseren Elektrologen…  (er ist übrigens seit dem letzten Blogbeitrag „warten auf Afantos“ noch immer nicht erschienen… gestern wollte er ganz sicher kommen…).

Downsizing… wieviel brauche ich zum Leben? Weniger als ich dachte, stelle ich fest! Unbedingt jedoch viele Augenblicke, in denen ich einfach aufs Meer schaue und ins Blaue träume! Letzteres ganz unbedingt, denn das weitet mein Herz, steigert die Lebensfreude & Kreativität, lässt mich besser schlafen und mehr Geduld mit mir und anderen Menschen haben.

Und was braucht ihr zum Leben? Schickt mir gerne eure Geschichte oder benutzt die Kommentar-Funktion auf diesem Blog! Ich freue mich darauf!

Sonnige Grüße

Barbara

 

PS: der für dieses Mal ursprünglich angekündigte Blogbeitrag  „Lebensfreude“ verschiebt sich voraussichtlich auf das nächste Mal! Es sei denn, da kommt wieder eine spontane Idee angeflogen beim „ ins Blaue schauen“….