ATH – FRA Flug 1531

In den vergangenen Jahren bin ich so oft zwischen Frankfurt und Athen hin- und hergeflogen, dass es für mich so normal geworden ist, wie in die Straßenbahn zu steigen, um von A nach B zu fahren.

Flug 1531 jedoch ist ein Ryan Air Flug, denn endlich fliegen sie diese Route, juchhu! Viele haben mich gewarnt: von „da fallen alle Flüge aus“, „die Boarding Karten lassen sich nicht ausdrucken“, „wehe dir, wenn dein Handgepäck zu groß ist!“ … bis hin zu moralisch erhobenen Zeigefingern, dass die Company die Piloten ausnutzt, habe ich alles Mögliche zu hören bekommen.

 

Gate 30 gestern Morgen am Flughafen Athen: der check-in war unkompliziert und nun drängeln sich hier die Menschen, aufgeteilt in „Priority Flieger“ und die „Normal-Flieger“. Von Gate 31, im gleichen Raum, geht der Flug nach Berlin ab – es ist voll, es ist laut, alle Papiere werden nochmal gecheckt und Handgepäck geprüft, eine Gruppe von 3 jungen Männern und 2 Frauen aus der arabischen Welt,  sehr chic & teuer im westlichen Stil gekleidet, ist voll beladen und kann nicht fassen, dass sie nicht 20 überquellende Taschen mit nehmen dürfen, einer der jungen Männer wiederholt ständig den gleichen arabischen Satz, immer lauter, seine Freundin antwortet ihm auf Deutsch,  immer genervter „alles ist ok“, sie packen um und tragen jetzt das, was möglich ist,  übereinander am Körper… der junge Mann 3 Hüte. Neben mir sitzt eine britische Familie, die Mutter hält ihrer Tochter im Teenageralter den Kopf, während diese sich heftig in eine Duty-Free Tüte übergibt, die jüngere Tochter kreischt, wie ekelig das ist und der Vater konzentriert die 2 Koffer bewacht. Ein griechischer Pope schiebt sich durch das Gedränge, seine Frau macht ihm den Weg frei, denn er betet wohl gerade, jedenfalls scheint er weit weg zu sein und der chinesische Herr auf meiner anderen Seite begrüßt derweil voller Freude ein deutsches Ehepaar, das er 2 Tage vorher in einem Restaurant in der Plaka kennengelernt hat… das alles ist Kino pur! Ich komme gar nicht dazu, in meinem Buch zu lesen!

Dann ist es soweit: your flight to Frankfurt is ready for boarding! Jetzt geht´s erst richtig los!  Es wird gedrängelt und geschoben, was das Zeug hält – nur, um draußen im Zubringer Bus wieder zu warten, bis alle da sind. Ich denke an Sabine Asgodom, die den Dränglern beim Boarding gerne mit dem Kommentar „bitte schön, fliegen Sie doch voraus“ den Vortritt lässt und muss laut lachen. Eine Russin, die die Unterhaltung mit ihren, jetzt über den ganzen Bus verteilten Mitreisenden, schreiend da weiterführt, wo sie durch das Boarding unterbrochen wurde, schaut mich überrascht an und ich muss noch lauter lachen.

Wir kommen am Flugzeug an und entern! Ich gestehe, dass auch ich ein „Priority“ Ticket gebucht hatte, weil ich einen Koffer aufgegeben habe und im Package war dann auch ein reservierter Sitzplatz  dabei. So kommt es, dass ich zielstrebig auf meinen Platz zu steuere, das Handgepäck verstaue und es mir gemütlich mache. Doch kaum habe ich mich angeschnallt und die Ohrstöpsel mit meiner Lieblings-Flug-Musik im Ohr, pickst mich jemand in den Arm: „would you mind to switch places?“ Ja, ähm, eigentlich gehöre ich ja zu den Gut-Menschen, die das sofort machen, doch ein Blick auf das Gedränge auf dem Gang in beide Richtungen, wo gerade mindestens ein Duzend Leute versuchen ihre Sitzplätze zu tauschen, während andere noch ihren Platz suchen, lässt mich automatisch den Kopf schütteln. Worauf ich natürlich prompt ein schlechtes Gewissen bekomme. Nee, wie doof! War ich halt mal egoistisch! Na so was?  Stimmt doch –  die Tickets sind ja sowieso so günstig, da könnte man doch noch 10 Euro drauf legen, um zusammen zu sitzen, oder sehe ich das falsch?

Nach knapp 3 Stunden Flug voller Entertainment mit spannenden Angeboten von Getränken & pappigen Croissants über Rubbellose, deren Erlös Kinderdörfern zu Gute kommt und den Parfümerie Sonderangeboten (bei Ryan Air kann man die Düfte testen! In einem so gut riechenden Flieger war ich noch nie unterwegs!) landen wir in Frankfurt. Sobald die Landung angekündigt wurde, war es ruhig geworden im Flieger, doch kaum auf dem Boden angekommen, weckt uns eine fröhliche Zirkus-Musik-Fanfare aus dem Lautsprecher: vielen Dank, dass Sie mit Ryan Air geflogen sind! Und die bekannte Hektik bricht aus….

Also – ich kann nicht meckern. Es hat alles prima geklappt und langweilig wurde es mir auf diesem Flug garantiert nicht! Eine so bunte Reisegesellschaft habe ich bisher selten erlebt und es zeigt mir, wie klein die Welt inzwischen tatsächlich geworden ist! Vielleicht sollte ich auch mal wieder mit der Straßenbahn fahren… 🙂

Sonnige Grüße
Barbara

 

 

 

 

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